Ein Garten in Norddeutschland

(: Gartenlust oder Gartenfrust? :)
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Gartenlust oder Gartenfrust?



Der Gedanke kam mir beim Durchlesen des Threads "Gartenplanung"...

Planung setzt doch voraus, dass ich mich an einen vorgefassten Plan halte und an diesem auch über Jahre, Jahrzehnte - oder in Bezug auf die großen Gärten - sogar über Jahrhunderte daran festhalte. Ich darf mich also durch nichts, aber auch wirklich nichts beirren oder beeinflussen lassen. Gartenzeitungen nur als Bilderbuch betrachten, Pflanzenbücher brauche ich auch nicht mehr, wenn meine Planung erst einmal komplett ist.

Wann mache ich diese Planung? Doch sofort dann, wenn ich in den Besitz eines Stückes zu verplanenden Landes gekommen bin, meist so im Alter von 30 Jahren.

Meine Gartenvorstellung bezieht sich auf das, was ich in meinem bisherigen Leben gesehen habe, Schrebergarten, der Garten der Eltern, Omas Garten, Gärten in der Verwandtschaft und natürlich botanische Gärten und Gartenanlagen im großen Stil wie Kloster- und Schlossgärten.
Vorlieben für bestimmte Pflanzen habe ich auch schon als Kind gefasst, es muss unbedingt eine Linde sein oder eine Trauerweide, die Blumen sollen möglichst von Februar bis Dezember blühen - jedenfalls erschien es mir in meiner Kindheit so, Pfingstrosen und Dahlien kippten auch nie um, und bei Tante Erna stand immer so ein wunderschöner mindestens 2 m hoher Rittersporn in tiefsten dunkelblau, stets aufrecht.
Ach ja und Rasen mit vielen Gänseblümchen und Pusteblumen, Klatschmohn und Margeriten, alles eine wahre Blütenpracht und dies das ganze Jahr.
Nein, nicht ganz, zu Weihnachten lag auf der Obstwiese bei Onkel Heinz immer der Schnee ganz hoch und auf den alten, knorrigen Zweigen der Apfelbäume haben sich richtige dicke Schneehauben gebildet. Falls es zwischendurch mal getaut hatte, dann hingen auch noch dicke Eiszapfen an den Ästen, mmh, die waren leckerer als jede Zuckerstange.

So etwas kann man selber auch, also Bleistift und Papier her und schon geht die Planerei los.
Es wird gemalt, gestrichen, radiert, Eltern und Großeltern werden mobilisiert: "Was war das eigentlich, was bei Tante Hanne da ganz hinten in der Ecke rechts am Häuschen stand, hatte hellrosa Blüten und die Hummeln sind immer reingekrochen?"

Vor dem geistigen Auge ist der ideale Garten fertig, nun muss ich ihn nur noch auf Papier bringen und in Worte fassen, d. h. den Pflanzen einen Namen geben. Also müssen Kataloge her, Dehner, Ahrens und Sieberz, Gärtnermeister Pötschke - bei dem hat Oma auch immer gekauft - liefern diese gern und kostenlos, dafür verkaufen sie meine Adresse und schon weiß auch ein Herr Bakker, dass ich einen Garten anlegen will.
Die Bilder versprechen gesunde, farbenprächtige Pflanzen mit unübertroffenem Blütenreichtum und die Beschreibungen erst: "verbesserte soundso, übertrifft diese bei weitem in Blütendauer und -reichtum, jetzt auch in rosagrünpanaschiert."

Irgendwann sind auf dem Maßstabpapier alle Beete und deren Bepflanzung festgelegt, stolz prsentiere ich den Plan der Familie. "Und wo kommt unsere Schaukel hin und kein Sandkasten?" "Ich will ja nicht kritisieren, aber wie bekomme ich das Auto in die Garage, wenn dort ein Rosenbeet geplant ist?" Irgendwann sind auf dem Maßstabpapier alle Beete und deren Bepflanzung festgelegt, stolz prsentiere ich den Plan der Familie. "Und wo kommt unsere Schaukel hin und kein Sandkasten?" "Ich will ja nicht kritisieren, aber wie bekomme ich das Auto in die Garage, wenn dort ein Rosenbeet geplant ist?" Irgendwann sind auf dem Maßstabpapier alle Beete und deren Bepflanzung festgelegt, stolz präsentiere ich den Plan der Familie. "Und wo kommt unsere Schaukel hin und kein Sandkasten?" "Ich will ja nicht kritisieren, aber wie bekomme ich das Auto in die Garage, wenn dort ein Rosenbeet geplant ist?"


Langsam kriecht die Schamröte hoch, da habe ich nur an mich gedacht und meine Träume zu Papier gebracht. Also plane ich um, einen Spielbereich und diesmal lasse ich auch genug Platz für die Garageneinfahrt, sogar ein wenig größer als nötig, denn vielleicht soll das Auto auch mal poliert werden und dann muss man darum herum gehen.

Die Familie nickt letztendlich den Plan ab, sie mag nämlich Mutter nicht mehr mit dem Zeichenstift und den bunten Katalogen sehen, hat zwar auch Vorteile gehabt für die Kinder, wenn Mutter so richtig in ihre Pläne vertieft war, konnten sie sich ganz tolle Sachen erlauben lassen, wie z. B. das 6. Eis am Nachmittag.

Nun können endlich die Bestellungen bei verschiedenen Gartenversender aufgegeben werden, wird ja auch Zeit, es ist Februar und überall steht "beste Pflanzzeit März".

Nun muss ich nur noch den Hausherrn antreiben, damit endlich die Platten für den Hauszugang bestellt werden und noch so ein unnötiger Kram wie Kanalisationsschächte etc. gesetzt werden.
Wir befinden uns am Beginn der 70er Jahre im vorigen Jahrhundert, Waschbeton und Verbundsteine sind "in". Es wird bestellt, das Tiefbauunternehmen schüttelt den Kopf: "Geht noch nicht, der Boden ist noch gefroren, wir können noch keinen vernünftigen Untergrund schaffen."
Der täglich Blick morgens auf das Thermometer wird zur Qual, kaum überspringt die Quecksilbersäule die 0 Grad Marke wird das Unternehmen angerufen.
Anfang März kommen die ersten Pflanzenpakete an, der Holländer hat zuerst geliefert. Erwartungsvoll packe ich aus, aber was ist das? Kleine Töpfe mit Erde, nur hin und wieder schaut mal ein grünes Zipfelchen aus der Erde.
Waren mir nicht große blühende Pflanzen versprochen worden und nun so was!!!
Wenn ich die Töpfe im Haus auf den Fensterbänken verteile, vielleicht wachsen die Pflanzen dann schneller oder hätte ich doch das Dreifache bestellen sollen, mit diesen Mickeldingern bekomme ich meine Rabatten nie so schön wie bei Tante Erna und die will mich doch Ostern besuchen.

Im Supermarkt gab es heute Nelken in Töpfen, man gut, dass ich schon mal drei Töpfe mitgenommen habe, die füllen sicher schon eine Lücke, obwohl sie gar nicht auf dem Plan stehen, ich muss schnell mal sehen, wo ich die noch einfügen kann.

Mitte März, der Fingertest wird gemacht: ist die Erde warm genug? Aber selbstverständlich ist sie es, wie könnte es anders sein.
Der Plan wird genommen, die mittlerweile im ganzen Haus verteilten Töpfe aus den diversen Paketen nach draußen gebracht.
Muss denn ausgerechnet jetzt ein Schneeschauer runterkommen?
Phh, dieser Nachbar ist auch schon total verkalkt, da fragt er, ob er mit einem Heizlüfter zum Boden auftauen kommen soll, der olle Klaugschieter.
Na ja, die Handschaufel geht noch nicht so einfach in die Erde, ab ca.5 cm ist der Boden noch sehr fest, das liegt aber bestimmt daran, dass die Baufahrzeuge alles verdichtet haben und sicherlich hat der Mann mit der Fräse im Herbst auch nichts von seinem Handwerk verstanden.
Wieso wird es nur schon so früh dunkel, ich habe noch nicht einmal die Hälfte vom ersten Beet bepflanzt, außerdem kann ich kaum noch den Pflanzplan lesen, er ist so verschmiert mit Erde und der Kugelschreiber ist beim letzten Schneeschauer total verlaufen.
Aber ich weiß ja alles noch aus dem Kopf, schließlich habe ich den ganzen Winter damit verbracht diese Pläne zu verfassen.
Endlich sind alle Pflanzen an den hoffentlich dafür vorgesehenen Stellen, aber alles sieht kaum anders aus als vorher, nur geharkt ist. Jeden Morgen wird inspiziert, da wird eine Spitze braun, da hat die Katze einen Trieb abgetreten und hier sieht es aus als wäre ein Ball darauf gefallen.
Tante Erna kommt mit einem Kofferraum voller Ableger: "Kind, du hast noch so viel Platz und das sind so hübsche Pflanzen." Tante Erna war schon immer meine Lieblingstante und ihr Garten ist wirklich schön, jedenfalls in meiner Erinnerung, aber wann habe ich sie zum letzten Mal besucht?
Tante Erna weiß auch gleich wo alles hin muss und schon vergeht der Sonntag mit Buddelei. Als die Erdbeertorte auf den Tisch kommt ist natürlich die Frage unausweichlich: "Kind, hast Du etwa Erdbeeren gekauft, noch dazu um diese Jahreszeit. Es geht nichts über Erdbeeren Ende Juni aus dem eigenen Garten, ich habe noch Kindel, die kann dir Franz nächste Woche vorbeibringen, er hat auch noch einige Büsche für dich."
Franz kommt nicht nur mit Büschen, Ilse hat ihm noch einen Korb voll Ableger mitgegeben und die Anweisung, dass alles in der vollen Sonne stehen muss, damit es schön blüht. Ach ja und die Büsche pflanzt er auch gleich ein, denn schließlich ist Büsche pflanzen keine Frauenarbeit.

Im Herbst des Jahres ist mein Garten ein Sammelsurium von Pflanzen aus der Verwandtschaft, Bekanntschaft und Nachbarschaft, von Planung keine Spur. Wo sind eigentlich meine Pflanzen von den Versendern geblieben? Sie mickeln vor sich hin, die geschenkten haben das Regiment übernommen.
Im kommenden Jahr habe ich wirklich eine Blütenpracht, nur so richtig glücklich bin ich damit nicht.


Kleine Steingartengewächse stehen hinten, hohe Prachtstauden vorn. Also gibt es die erste todo-Liste für den Herbst, es wird umgepflanzt, damals wusste ich noch nicht, dass dies immer so weiter gehen würde und machte mich mit Elan ans Werk.
Ende der 70er rollt die Bio- und Ökowelle über die Gärten. "Der Biogarten" von Marie-Luise Kreuter wird zur Bibel, Kräuterjauchen werden angesetzt, Bodenentseuchung mit Ringelblumen, nie mehr umgraben, die Regenwürmer übernehmen die Arbeit, nie mehr Düngersäcke schleppen, Kompost ist angesagt.

Nach zwei Jahren haben die Ringelblumen alle Beete erobert, na, sieht ja ganz lustig aus, daf�r mickern die Prachtstauden, die haben eben noch nicht kapiert, das Bio angesagt ist.

Noch 2 Jahre weiter stinkt mir der Garten, entweder Bio oder ich.
Egoistisch wie ich nun mal bin, mag ich meine Vorstellung von Garten nicht den Ringelblumen, dem Giersch, Lamium und Pusteblumen unterordnen, zumal Ringelblumensalbe und Ringelblumen im Salat nicht die wahren Renner waren, auch für Gierschsuppe, Brennnesseltee und Spinat aus jungen Brennnesseln konnte ich niemanden begeistern.
Also mach ich mich ans Jäten und habe plötzlich Platz ohne auch nur einen cm Rasen gemordet zu haben, der vom Hausherrn mit allen Mitteln verteidigt wird, denn er ist Rasenfetischist, nein, keinen englischen Rasen, wachsen muss er, damit man möglichst 2 mal die Woche mähen kann, muss ein erhabenes Gefühl sein, wenn der Rasenmäher durch das Gras geschoben wird oder hatten wir da schon einen mit Radantrieb?

Auf die freien Stellen kommt nur was ich will, basta!!!!
Mittlerweile habe ich in der Nähe eine Staudengärtnerei gefunden, die haben so wunderschönen Phlox, nicht nur in schlüpferrosa. Also, auf alle freien Flächen kommt Phlox. Warum hat mir damals niemand gesagt, dass sich Phlox versamt und dann auch immer wieder schlüpferrosa ist und warum hat niemand gesagt, dass man Phlox nie vollständig entfernen kann. Auch Glockenblumen gab es da und nun unausrottbar auch in meinem Garten.

Man schreibt die 90er des vorigen Jahrhunderts, die Kinder sind am Garten nicht mehr interessiert, höchstens um Party zu feiern.

Zunächst waren einfache Kohlegrills von der Tankstelle angesagt, die nach einer Grillsaison Rost angesetzt hatten, später folgte ein weiteres Billigprodukt und wie selbstverständlich hatten die Eltern natürlich die Grill-Utensilien wie Grillkohle, Anzünder usw. wieder wegzuräumen. Zwischenzeitlich ist man bei einem Weber Gasgrill angelangt, weil die Pflege und Nachpflege einfach einfacher ist, ein Elektrogrill war auch im Gespräch, doch liegt am Grillplatz immer noch kein geeigneter Stromanschluss.

Jetzt aber werde ich alle Fehler der letzten 2 Jahrzehnte korrigieren und eine vernünftige Planung machen. Erst einmal verbanne ich viele Pflanzen aus den hinteren, von der Terrasse gut einsehbaren Beeten, in den vorderen Teil des Gartens und dann geht die Planung los, diesmal aber mit Verstand.
Zunächst werden erst einmal Pflanzenbücher gekauft und nicht nur "Mein schöner Garten". Diese oder weitere Zeitschriften zum Thema sind mir allerdings immer gute Ideengeber gewesen. Und die Abo Prämien sind auch nicht zu verachten. Gartenscheren, Sonnenliege und weitere Gartenartikel gibt es beim Abschluss.
..und dann entwickeln sich Sammelleidenschaften, mal für diese Pflanzenart, mal für jene. Da gibt es Modetrends, die unbedingt mitgemacht werden müssen, da gibt es Menschen, die einem Mut machen für Pflanzen, die ich zwar schon immer "toll" fand, aber an die ich mich nie getraut hätte.
Aber wenn die das kann, dann muss ich das auch können.

...und wenn ich jetzt diesen ganzen Sermon in einem Satz zusammen fassen sollte, dann müsste ich eingestehen, dass mein Garten nie meinen Vorstellungen entsprochen hat und diesen nie entsprechen wird, dazu ändern sich meine Vorstellungen und Vorlieben zu schnell, ich komme mit ändern kaum hinterher.

Ist jemand an meiner diesjährigen herbstlichen todo-Liste interessiert? Ich freue mich jedenfalls darauf wieder etwas zum Verändern und Planen zu haben. Vielleicht ein neuer Terrassenbelag?

 

Gedanken von Christiane Frost

©Christiane Frost 2012